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13.04.2020

Ein Gang nach Emmaus | Gedanken und Impulse

Foto: Alexandra Strobel

So ganz anders ist es gekommen, als wir es uns vor vier Wochen noch überhaupt nicht hatten vorstellen können. Ganz anders haben wir in diesem Jahr das Osterfest begangen und gefeiert – ja, sind wir noch dabei, es zu feiern. Kein Besuch bei den Großeltern oder guten Freunden, wie es sonst an den großen Feiertagen gut und üblich ist. Kein Osterurlaub unter der Frühjahrssonne Italiens und kein letztes Ausnützen der Skisaison auf einem Alpengletscher.

Keine festlichen Hochämter mit frommen und suchenden Gläubigen in überfüllten Kathedralen und Kirchen. Okay – dafür bescherten uns diese Kar- und Ostertage eine ungeahnte Fülle an neuartigen Gottesdienstangeboten in Fernsehen und Internet, mehr oder weniger interessant, kreativ und begeisternd. Aber wir müssen zugeben, ein echter Ersatz für einen hautnah und körperlich spürbaren Gottesdienst sind diese Alternativen nicht wirklich.

Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde.

So ganz anders ist es gekommen. Ihr Leben haben sie auf ihn gebaut. Familien und Beruf haben sie verlassen – wenigstens für eine bestimmte Zeit – und sind ihm auf den Fersen gefolgt und an den Lippen gehangen. Neues Leben hat er ihnen versprochen. Leben in Hülle und Fülle, und endlich Frieden im ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Aber es kam ganz anders. Nicht ins Leben führte sein Weg, sondern ans Kreuz, in den Tod.

Haben wir uns so sehr getäuscht, in der Art und Weise wie und wo wir bisher Gemeinschaft, Erfüllung, Freude und Leben gesucht haben? Waren unsere Gottesdienste letztendlich auch nur blendender Glanz und Schein?

Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.

Er ging mit ihnen. Von Jerusalem weg ging er mit ihnen. Sie verlassen den Weg, den sie bis vor ein paar Tagen noch mit ihm zusammen gegangen sind – und er geht wieder mit. Aber „ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.“ Sie waren noch völlig gefangen von ihren alten Vorstellungen und Ideen. Klar, ihre Begeisterung für das, was sie in ihm entdeckt haben, hat sie praktisch blind gemacht für alles andere, was danach gekommen wäre, gekommen war – und es kam ja auch so absolut anders. „Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben...“

„Brannte nicht unser Herz in uns“

Wohin führten Ihre Wege in diesen Corona-Kar-und-Oster-Tagen? Spaziergänge im Frühling. Ein Telefongespräch mit jemanden, mit dem oder der Sie sich schon ewig nicht mehr so intensiv unterhalten haben. Ein ausgelassenes und frohes Essen im kleinen Kreis oder auch alleine. Streit in der Beziehung. Eine fesselnde Lektüre. Bewegende Musik. Eine treffende Mail. Depressive Langeweile. Aufmunternde WhatsApp-Nachrichten. Ein nächtliches Lagerfeuer unter einem faszinierenden Frühlingsvollmond. Ein Gespräch am Krankenbett. Eine Geschichte, ein Satz oder auch nur ein Wort aus der Heiligen Schrift. Ein einfaches Gebet zu zweit, zu dritt – oder auch alleine. Ein Gruß auf der Straße.

Ostergeschichten – Emmausgeschichten. So ganz andere Ostergeschichten. Aber Ihre ganz persönlichen Geschichten, in denen Ihnen der Auferstandene begegnete.

Ottmar Breitenhuber
Pleinfeld, 13.04.2020


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